Sunpeak Capital im Check: Warum ich bei diesem PV-Direktinvestment skeptisch bin
Werner Hoffmann
Unabhängiger Finanzpublizist & Verbraucherschützer
Vorab in eigener Sache: Dieser Beitrag ist meine persönliche Meinung als Verbraucherschützer. Er ist keine Anlageberatung und keine Behauptung über strafbares Verhalten. Ich bewerte ausschließlich öffentlich zugängliche Marketingaussagen und welche Fragen sie höflich unbeantwortet lassen.
Seit Wochen landen Anfragen in meinem Postfach zu einem Anbieter namens Sunpeak Capital. Das Unternehmen bewirbt sich als „dein Partner für steueroptimierte Photovoltaik- und Batteriespeicher-Direktinvestments in Deutschland". Klingt zeitgemäß: Energiewende plus Steuervorteil plus „passives Einkommen". Die ganz große Wohlfühl-Trilogie also. Genau diese Kombination lässt bei mir reflexartig sämtliche Warnlampen aufleuchten wie ein Weihnachtsbaum nicht weil Photovoltaik schlecht wäre, sondern weil genau hier seit Jahren mit der größten Begeisterung verkauft wird.
Was Sunpeak Capital verspricht
Die Website arbeitet mit den üblichen, hübsch gebügelten Bausteinen: „planbare Erträge", „passives Einkommen", „steuerlich vorteilhaft", „schlüsselfertige Anlagen". Bingo-Karten-Material für jeden Finanz-Flyer. Man positioniert sich als Vermittler, der „Kapital, Flächen und Investoren" zusammenbringt von der Flächenakquise über das Solateur-Netzwerk bis zur Vermarktung der fertigen Anlage an Anleger.
Das ist ein durchaus nachvollziehbares Geschäftsmodell. Mein Problem ist nicht das Modell. Mein Problem ist, was man auf der Seite mit der Lupe suchen darf und trotzdem nicht findet.
Die fünf Dinge, die mir fehlen
1. Konkrete Zahlen zur Rendite
„Planbare Erträge" ist bekanntlich kein Zinssatz, sondern ein Gefühl. Ich finde keine nachvollziehbare Beispielrechnung, keine Renditespanne, keine Annahmen zu Strompreis, Einspeisevergütung oder Degradation der Module. Wenn ein Anbieter mit Ertrag wirbt, die konkrete Zahl aber meidet wie der Vampir das Tageslicht, ist das für mich das erste Warnsignal.
2. Wo genau liegt das Risiko?
Ein Direktinvestment ist überraschenderweise kein Sparbuch. Bei der gängigen Konstruktion wird der Anleger oft wirtschaftlich oder rechtlich Eigentümer einer einzelnen Anlage mit allem, was im Kleingedruckten so mitschwingt: Betreiberrisiko, Ausfall, Wartung, Versicherung, Rückbau, Strompreisrisiko, Insolvenz von Beteiligten. Eine prominente, verständliche Risikoaufklärung habe ich nicht gefunden. „Steueroptimiert" steht in Großbuchstaben, „Totalverlust möglich" offenbar in unsichtbarer Tinte.
3. Das Steuerargument als Verkaufshebel
Der Steuervorteil (häufig über den Investitionsabzugsbetrag, IAB) ist real aber er ist ein Steuerstundungs-, kein Geschenkeffekt, auch wenn er gern wie ein Lottogewinn präsentiert wird. Er funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur für bestimmte Anleger. Wenn der Steuervorteil zum Hauptkaufargument wird, kauft man am Ende eine Anlage dem Finanzamt zuliebe statt der Wirtschaftlichkeit wegen. Genau die Falle, in die ich Mandanten über Jahre habe stolpern sehen, mit Anlauf.
4. Wer haftet, wer betreibt, wer zahlt im Ernstfall?
„Alles aus einer Hand" klingt herrlich bequem fast wie Urlaub. Für den Anleger heißt es aber auch: viel Spaß beim Entwirren der Vertragskette. Wer ist Verkäufer, wer Betreiber, wer Pächter der Fläche, wie lang laufen die Pachtverträge, was passiert nach 20 Jahren? Aus der schick bebilderten Außendarstellung lässt sich davon exakt nichts beantworten.
5. Junges Unternehmen, große Versprechen
Nach eigener Darstellung wurde Sunpeak Capital von zwei Gründern aus dem Solar-Startup-Umfeld aufgebaut. Das ist per se nichts Schlechtes im Gegenteil, Branchenkenntnis ist Gold wert. Aber bei einem Sachwert-Investment über 20+ Jahre ist die kleine Frage erlaubt: Gibt es einen belastbaren Track Record fertiggestellter und über Jahre betriebener Anlagen, oder vor allem schöne Renderings? Und wer trägt das Geschäft, wenn ein Gründer morgen die Lust verliert?
Dasselbe Problem sehen wir beim Unternehmen PARQ energy, an welches Sunpeak Capital seine Anleger weiterleitet. Ein junges Unternehmen, ohne nennenswerte Erfolgshistorie, dessen Konzept bestenfalls fragwürdig ist. Es wirkt eher so, als hätte man „Social Media Entrepreneur mäßig" ein Netzwerk auf die Beine gestellt, um schnell vom Hype zu profitieren. Die Zukunft wird entscheiden, wie erfolgreich dieses System sein wird.
Ein Hochglanzauftritt ersetzt keine geprüften Zahlen. Je schöner die Bilder vom Solarfeld leuchten, desto gründlicher sollte man den Vertrag lesen.
Bin ich pauschal gegen Solar-Investments?
Nein, keine Sorge, ich umarme auch Bäume. Photovoltaik ist eine sinnvolle Technologie und kann ein vernünftiger Baustein sein. Es geht mir nicht um diesen einen Anbieter als Person oder Firma, sondern um ein altbekanntes Muster: Nachhaltigkeits-Story + Steuer-Story + „passives Einkommen" = der perfekte Vertriebsdreiklang. Verkauft sich grandios, prüft sich grauenhaft.
Meine Checkliste, bevor Sie irgendwo Ihre Unterschrift verschenken
- Lassen Sie sich die vollständigen Vertragsunterlagen geben den Flyer können Sie behalten.
- Fordern Sie eine Rendite-Beispielrechnung mit offengelegten Annahmen an, keine Wohlfühl-Prognose.
- Fragen Sie schriftlich nach dem maximalen Verlustszenario und genießen Sie die Stille.
- Klären Sie Eigentum, Betrieb, Wartung und Rückbau über die gesamte Laufzeit.
- Lassen Sie das Steuermodell von einem unabhängigen Steuerberater prüfen also nicht von dem, der die Provision kassiert.
- Prüfen Sie den Track Record: Wie viele Anlagen laufen seit wie vielen Jahren, und nicht seit wie vielen PowerPoint-Folien?
Mein Fazit
Sunpeak Capital präsentiert sich professionell und bedient ein echtes Marktbedürfnis das gebe ich gern zu. Aber auf Basis der öffentlichen Darstellung gewinnt das Marketing klar nach Punkten gegen die überprüfbare Substanz. Solange die zentralen Fragen Rendite, Risiko, Haftung, Track Record nicht transparent und schriftlich beantwortet sind, würde ich hier nicht investieren, nicht einmal mit dem Geld meines Lieblingsfeindes. Wer es trotzdem erwägt, sollte das nur mit unabhängiger Beratung tun und mit Geld, dessen Totalverlust ihn höchstens zu einem Schulterzucken bewegt.
Sollte Sunpeak Capital diese Punkte belegbar entkräften, aktualisiere ich diesen Beitrag selbstverständlich und sogar gern. Transparenz gilt schließlich in beide Richtungen.
